Nachfolge

Der Sortengarten Erschmatt ist aus der Schweizer Bergheimat hervorgegangen. In den Jahren seit 1985 ist daraus ein botanischer Garten oder ein Museum für die Kulturpflanzenvielfalt geworden, mit Verbindungen zu Bundesstellen, Forschungsanstalten und anderen Organisationen. Nun steht die Übergabe an jüngere Kräfte an. Das ist eine Chance für eine Neu-Orientierung.

Anfang der 1980er Jahre stiess ich zur Schweizer Bergheimat. Bald brachte mich Pierre Guntern, der damalige Geschäftsführer, mit Peter Züblin zusammen. Dieser beschäftigte sich mit alten Sorten von Getreide und anderen Kulturpflanzen, auf die er im Lötschental, im Goms und andernorts gestossen war. Er suchte Leute, die solche Sorten anbauen und erhalten. Schon bald übergab er mir einige Samen der Lötschentaler Grossbohne, der Gommer Suppenerbse und von mehreren alten Getreidesorten wie der Walsergerste, dem Walliser Winterroggen etc. Die Schweizer Bergheimat initiierte auch die Aktion Getreide – Saatgut, um den Anbau von alten Sorten im Berggebiet am Leben zu erhalten.

Ab dem Sommer 1983 unterstützte ich Fredi Laauser, der in Findeln ob Zermatt die höchsten Getreideäcker der Schweiz mit Roggen bepflanzte. Ich half ihm bei der Bodenbarbeitung und konnte meine eigenen Sorten anbauen. Da die hohe Lage nicht für alle Getreidesorten geeignet war, eröffnete ich 1985 den Sortengarten in Erschmatt. Dieser wurde stetig erweitert, in all den Jahren bis 1998 lediglich als Nebenerwerb und einzig von der Bergheimat unterstützt. Ab 1999 unterstützte das Bundesamt für Landwirtschaft den Sortengarten Erschmatt aus dem Programm NAP-PGREL (Nationaler Aktionsplan Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft). Seit 1999 ermöglichte der Sortengarten einer Person eine bescheidene Existenz. Auch sind die Themen vielfältiger geworden:

  • Wir bauen alte Getreidesorten und andere Pflanzen an und bieten davon Saatgut an.
  • Ich berate Interessierte bei der Planung des Anbaus von alten Sorten.
  • Die Sorten werden in Zusammenarbeit mit einer Forschungsanstalt beobachtet und charakterisiert.
  • Zusammen mit pro specie rara vergleichen wir alte Sorten der Grossbohne (Ackerbohne) und vermehren Sorten.
  • Der Kanton unterstützt ein Naturschutzprojekt mit seltenen Arten der Ackerbegleitflora.
  • Wir bieten Backtage und Führungen für Gruppen und Schulklassen an usw.

Nun ist es Zeit, die Nachfolge zu planen. Ich möchte mich in rund zwei Jahren, also 2021, zurückziehen und kürzer treten. Ich bin bereit, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger über längere Zeit zu begleiten, um mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben.

Es ist ein Glücksfall, dass der Sortengarten Erschmatt zum Gebiet des Naturparks Pfyn-Finges gehört. Der Naturpark engagiert sich für ein Nachfolgeprojekt.

Falls Sie sich vorstellen könnten, beim Sortengarten einzusteigen, oder falls Sie an der Nachfolgediskussion teilnehmen möchten, sind Sie herzlich eingeladen, am Mittwoch 5. Juni 2019 nach Erschmatt zu kommen. Um 15.30h können Sie als interessierte NachfolgerIn den Sortengarten besichtigen. Ab 17.30h laden wir ein breiteres Publikum ein, sich mit der Nachfolgefrage auseinanderzusetzen. Der Inhalt dieses Teils: Kurzporträt Sortengarten, Bedeutung des Sortengartens in der Region, Ideensammlung über mögliche neue Strukturen (Organisationsform) und Aufgaben.

Auskunft und Anmeldung für Interessierte: Roni Vonmoos-Schaub, getreide@sortengarten.ch, 027 932 15 19

Nicht nur Höfe suchen Nachfolger