Kornhaufen

Im Walliser Berggebiet war der Roggen das Hauptgetreide. Die traditionellen Roggensorten haben eine Eigenschaft, die gleichzeitig erwünscht und unerwünscht ist: ihre Körner halten nicht gut in der Ähre. Das vereinfacht das Dreschen, weil die Körner recht schnell aus der Ähre fallen. Hingegen gibt es viel Verlust, wenn der Roggen zu lange auf dem Feld steht. Deshalb wurde der Roggen geerntet, bevor er ganz reif ist. Er wurde mit der Sichel oder der Sense geschnitten und zu Garben gebunden. In manchen Gegenden das Wallis wurden diese Garben „Goofe“ genannt. Diese Garben wurden ein oder zwei Tage an die Sonne gelegt und dann zu einem Kornhaufen geschichtet. Dieser Kornhaufen bliebt etwa 10 bis 14 Tage stehen. Die Garben müssen genügend trocken sein, damit das Getreide nicht schimmlig wird. Während dieser Zeit reifen die Körner nach, da der Stoffwechsel in der Pflanze noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Nach dieser Zeit wird der Kornhaufen sorgfältig abgebaut. Dabei dürfen die Garben nicht geschüttelt werden, damit die Körner drin bleiben. Die Garben werden auf ein Korntuch gelegt, so dass alle Ähren gegen die Mitte zeigen. Das Korntuch wird mit Seilen und Triegle verschnürt und auf dem Kopf, mit einem Maultier oder mit einem Schlitten in den Stadel transportiert. Ein volles Korntuch wiegt etwa 50 kg.
Der Kornhaufen hat (nebst dem Nachreifen) einen zweiten Grund: diejenige Familie, die im Ackerbaugebiet als Erste erntet, kann nur auf den schmalen Böschungen zwischen den Feldern zu ihrem Acker gelangen. Erst wenn alle Familien ihren Roggen geschnitten haben, sind die Transportwege frei (diese waren Teil der Äcker und wurden auch mit Roggen bepflanzt). Deshalb musste der Roggen auf dem Feld zwischengelagert werden.